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Letzte News

04/11/2013, 11:32
neuer-weltrekord-im-aeltesten-schachklub-der-weltAm Sonntag, den 03.11.2013 war ich auf Einladung der Schachgesellschaft Zürich, dem mit Abstand ältesten Schachklub der Welt, als Blindsimultanspieler zu...
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01/11/2013, 11:09
Live-Übertragung direkt aus dem Zunfthaus zur Saffran in Zürich. Beginn: 3.11.2013, 14 Uhr
01/11/2013, 11:07
Zunächst einmal wünsche ich Euch allen einen guten Morgen. Jaja, ich weiß schon, es ist bereits halb 11 und somit streng genommen höchstens noch ein...

Neuer Weltrekord im ältesten Schachklub der Welt

Am Sonntag, den 03.11.2013 war ich auf Einladung der Schachgesellschaft Zürich, dem mit Abstand ältesten Schachklub der Welt, als Blindsimultanspieler zu Gast in der schönen schweizerischen Metropole an der Limmat. Anvisiert wurde ein neuer Weltrekord im Blindsimultan-Schnellschach; der bisherige, der anlässlich eines Besuchs des australischen Fernsehens im Januar 2013 an 12 Brettern in Sontheim/Brenz aufgestellt wurde, sollte um genau ein Brett übertroffen werden. Eine spannende Herausforderung v.a. aus zwei Gründen: Zu allererst, weil mir Blindsimultan-Schnellschach immer schon von Haus aus Magenschmerzen bereitet. Der Zeitdruck (in Zürich hatte ich im Schnitt gerade mal 18 Minuten pro Partie), die vielen Bretter und v.a. der Umstand, dass alle Gegner ständig durcheinander ziehen und man fast durchgängig an allen Brettern am Zug ist (die Kontrahenten spielen ja ebenfalls Schnellschach) verleihen dem "Speicherprozess" eine recht unangenehme Dynamik, die sogar mich alte Quasselstrippe die meiste Zeit über zum Schweigen bringt. Eine weitere Erschwernis, zumindest für mich, ist weniger augenfällig, dafür aber umso schwerwiegender: Es fehlt mir enorm, dass ich die Züge nicht akkustisch angesagt bekomme. Mein akkustisches Gedächtnis ist besser als mein optisches und ich arbeite gerade bei großen Blindsimultanen viel mit meinen akkustischen Eindrücken. Einmal durch Abspeichern des Zuges, der mir zugerufen wird, andererseits aber auch durch gezielt gesetzte Kommentare, die mir selbst dann als, naja, sozusagen als Webfaden beim Knüpfen des Erinnerungsteppichs (hüstel, hab schon bessere Metaphern gebacken, aber ich hoffe, Ihr versteht, was ich damit sagen will) dienen. Beim Schnellschach fällt das alles weg; die Züge werden still und leise auf meinem Monitor angezeigt, wo ich dann ebenso schweigend meine Antwort eintippe und zurück an die Bretter versende. Vielleicht sollte ich hier einmal eine Sprachausgabe einbauen und mir die dann per Kopfhörer anhören, aber das übersteigt zum einen meine Programmierfähigkeiten, zum anderen würde sich das in der Zeitnotphase, wenn alle meine Gegner fast ständig zum Ziehen genötigt sind, wohl eher wie eine Großdemonstration oder die Geräuschkulisse am Hauptbahnhof anhören.

 

Der andere Grund für meine Sorge war die doch recht kräftige Gegnerschaft. Während wir in Sontheim mit ca. 1500 einen eher moderaten Gegnerschnitt hatten, waren es diesmal durchweg erfahrene Spieler mit einem Spielstärkemittel von ca. 1750. Das mag sich verglichen mit meiner eigenen ELO von 2306 immer noch nach einer leichten Aufgabe anhören, aber hey, ich spiele simultan, blind und mit Zeithandicap. Kasparov ist selbst zu einem normalen, "sehenden" Simultan nie gegen Spieler mit 2000+ angetreten und das waren mehr als 800 Punkte weniger als seine eigene Zahl.

 

Vorbereitung mit Alexandra Kosteniuk

Insofern habe ich im Vorfeld versucht, ein bisschen etwas über meine Gegner in Erfahrung zu bringen, um zumindest die Eröffnung zu erraten und vielleicht schon in die richtige Richtung zu bringen. Ein Unterfangen, das dadurch erschwert wurde, dass viele meiner Gegner Größen aus Politik, Wirtschaft, Justiz und Medizin sind und daher kaum noch aktiv spielen oder gar in den Datenbanken in Erscheinung treten. Ich musste mich teilweise der unmöglichsten Quellen bedienen, um Daten zu sammeln. Beispielsweise fand ich zu Dr. William Wirth, dem ehemaligen Generaldirektor der Credit Suisse, nur ein Foto, das von Alexandra Kosteniuk anlässlich eines Simultans in Zürich aufgenommen wurde: http://www.kosteniuk.com/albums/zurich05/pictures/img_2126wirth.html
Wenn man genau hinschaut, erkennt man darauf einen leicht verunglückten Dxd5-Skandinavier. Und da dies eine meiner Lieblingseröffnungen mit Weiß ist, stand der erste Zug gegen Herrn Dr. Wirth damit schon fest :-).

 

Die Bedenkzeit
Eigentlich spiele ich solche Veranstaltungen immer mit 15-20 Minuten + 5 Sekunden pro Zug für die Simultannehmer und x mal 15-20 Minuten + 30 Sekunden pro Zug (für x=Anzahl der Bretter) für mich. Die Züricher hatten für sich jedoch eine etwas längere Bedenkzeit erbeten, weshalb wir das Zeitkontingent auf 30min + 5 Sekunden für die Züricher Auswahl und 4 Stunden + 30 Sekunden/Zug für mich aufstockten. Ohne das Increment waren das netto etwa 18 Minuten pro Partie, mit Increment (das netto nur bei etwa 20 Sekunden liegt, denn die Zugeingabe dauert etwa 10 Sekunden mit der Mauseingabe) bei im Schnitt 30 Zügen etwa 28 Minuten pro Brett. Das hört sich nach richtig viel Zeit an, nicht wahr? Aber wenn man dann mal spielt, stellt man fest, dass fast immer alle Uhren laufen außer an dem Brett, an dem man gerade gezogen hat. Und da sind 4 Stunden sehr schnell vorbei. Auf der anderen Seite müssen meine Gegner, während ihre Uhr läuft, nicht sonderlich lange nachdenken, denn sie haben in meinen Zugpausen genug Zeit dazu, so dass faktisch eigentlich nur einer Schnellschach spielen muss...:-).

Kleine Technikproblemchen und ein eindrucksvolles Endspiel gegen Fischer

Wettkampfstaette im Zunfthaus zur SafranGespielt wurde in einem wunderschönen Gebäude direkt am Ufer der Limmat, dem so genannten "Zunfthaus zur Saffran". Der große Zunftsaal im ersten Stock ist ein komplett holzgetäfelter, prächtig ausgestatteter und geräumiger Saal, dessen Würde und Tradition man schon beim Betreten spürt. Ein tolles Gefühl und nicht gerade das, was man als hinterzimmererprobter Schachspieler gewohnt ist. Insofern hatte ich zu Beginn auch etwas mit dem Ambiente zu kämpfen, denn das übt schon einen gewissen Druck aus, zumindest hatte ich das anfangs so empfunden. Später dann legte sich das und ich habe es einfach nur noch genossen. Ich finde, wir sollten in Sontheim auch so etwas bauen :-).

 

Der Beginn war am Sonntag für 14 Uhr anberaumt, doch da Blindsimultan-Schnellschach recht aufbauintensiv ist, traf ich mich mit DGT-Brett-Guru Axel Fritz und dem Chef-Organisator Dr. Christian Issler bereits um halb 9 im Turniersaal, um die gesamte Technik zu installieren. Der große Vorteil dieser Disziplin ist nämlich auch gleichzeitig ihr Nachteil, zumindest für uns Techniker: Da man mindestens 4 Computer, 13 DGT-Bretter und 4(!) Beamer und Leinwände sowie diverse LAN-Verkabelungen benötigt, wird man unter 5 Stunden eigentlich nie fertig, zumal es immer noch irgendein Problem gibt, das einen zusätzlich aufhält. Diesmal kam es in Gestalt eines lichtschwachen Projektors (den ich noch diese Woche entsorgen werde, aber erst, nachdem ich ihn für sein peinliches Versagen genügend gefoltert habe) und einer anfangs nicht funktionierenden Verbindung zwischen meinen Rechnern und Axels Vorkriegswindows.
Als wir alles soweit behoben hatten, war es schon fast zu spät für meinen geplanten Abschalt-und-in-mich-geh-Spaziergang am Flussufer, aber da es mittlerweile ohnhin in Strömen regnete, begnügte ich mich mit einem 20-minütigen Käfigmarsch im engen Radius der regensicheren Arkaden vor dem Gebäude. Das muss für einen Außenstehenden ziemlich seltsam ausgesehen haben, zumal ich einen recht abwesenden Blick gehabt haben muss.

 

Bevor es dann letztlich losging, legten wir noch eine Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen schweizerischen Meisterspieler Edgar Walther ein. Er war der beste Spieler der Schweiz in den 50er und 60er Jahren und hatte im Turnier zu Zürich 1959 niemand geringeres als Bobby Fischer am Rande einer Niederlage. Die kritische Stellung im Endspiel möchte ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten, sie ist sehr eindrucksvoll:

Walther (mit Weiß spielend) ist am Zug und hat 2 glatte Mehrbauern. Ein Bauernzug am Damenflügel bietet sich an, aber womit soll man beginnen? 1.a4 oder 1.b4? Das ist egal? Mitnichten! Weiß spielte 1.a4? und es zeigte sich, dass Schwarz nun gerade noch rechtzeitig mit seinem König nach a7 kommen und den Läufer auf die Diagonale g1-a7 überführen kann. Weiß kann dann seinen b-Bauern nicht mehr ziehen, da Schwarz sonst den Läufer opfert und dank des falschen Randbauern Remis halten kann. Richtig wäre stattdessen 1.b4 gewesen. Weiß spielt dann Ka5, b4-b5 und Ka6 und lässt dann erst den a-Bauer nachrücken. Nun aber folgte 1...Kc7! 2.b4 Kb8! 3.a5 Ka7 4.Kc4 Lg3 5.Kb3 Le1 6.Ka4 Ld2 7.Lh5 Le1 8.b5 Lf2 9.Le2 Le3 10.Kb3 Ld2! 11,b6+ Kb7 12.Ka4 Kc6! 13.Lb5+ Lc5 14.Le8 Le1 und Weiß kommt nicht weiter. Remis.

 

Kurz nach 14 Uhr schließlich eröffnete Christian Issler den Wettkampf. Ich hatte meine Gegner im Vorfeld nach Eröffnungen sortiert und gesetzt und wie folgt eingeteilt:

Brett Name NWZ Motto 1. Zug geplanter Aufbau Ergebnis
1 Hans Altherr 1862 Linksspringer1 1.c4 2.Sc3 auf alles. Es wurde (leider) Königsindisch ½:½
2 Niklaus Kubli 1500* Linksspringer 1.d4 2.Sc3 auf alles 1:0
3 Georges Brigati 1782 Linksspringer 1.e4 Sizilianisch mit 2.Sc3 und 3.Lb5 1:0
4 Edouard Marmier 1500* d-Bauer "links"2 1.d4 Einfach 2.c4 und dann Repertoire 1:0
5 William Wirth 1500* d-Bauer "Mitte" 1.e4 Da Skandinavisch zu erwarten war, passte dieses Brett wunderbar zum Motto 1:0
6 Thomas Kummle 2033 d-Bauer "rechts" 1.d4 Ich rechnete mit Damenindisch (3.Sf3 = "rechts") und hatte ein giftiges Gambit vorbereitet, das mein Gegner jedoch leider vermied, indem er auf 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 mit ...a6!? antwortete ½:½
7 Andreas Trümpler 2026 "Königsbrett"3 1.d4 Hier war Königsindisch zu erwarten, was auch kam. Und wie so oft erlitt ich im Blindsimultan in den verschachtelten Stellungen Schiffbruch 0:1
8 Martin Geyer 1876 "Gordischer Knoten"4 1.e4 Von Geyer und Siegfried hatte ich auf 1.e4 ausschließlich Sizilianisch-Partien gefunden, weshalb ich beschloss, sie mit Morra-Gambit anzugehen. Geyer lehnte mit 3...d5 ab, während... 1:0
9 Peter Pfiffner 1991 "Gordischer Knoten" 1.d4 Hier hatte ich anhand der Partien Pfiffners, immerhin Fernschach-IM, eigentlich mit 1.d4 d5 gerechnet und eine Slawisch Abtauschvariante vorbereitet mit der Idee, ein Remis aus der Position der Stärke anzustreben. Statt dessen erwischte mich ein sauber gespieltes Budapester Gambit, aus dem ich nur mit Glück entkam. ½:½
10 Harry Siegfried 1852 "Gordischer Knoten" 1.e4 ...Siegfried das Morra-Gambit akzeptierte 1:0
11 Peter Nagler 1721 Rechtsspringer "links" 5 1.Sf3 Herr Nagler ersetzte kurzfristig den erkrankten Phillip Nett und bescherte mir dadurch den vierten Königsinder des Wettkampfs 1:0
12 Markus Egli 1611 Rechtsspringer "Mitte" 1.e4 Hier hatte ich eigentlich 1.e4 e5 erwartet, was ich mottogemäß mit 2.Sf3 nebst Spanisch oder dergleichen beantwortet hätte. Französisch war mir jetzt nicht so recht, aber ich konnte Sf3 dann im 4.Zug nachholen 1:0
13 André Berset 1520 Rechtsspringer "rechts" 1.Sf3 Hier hatte Schwarz keine Wahl, als meinen Eröffnungsplan mitzumachen, denn 1.Sf3 nebst 2.g3 ist nicht wirklich verhinderbar. 1:0
   Ø 1752      +9 =3 -1 10,5:2,5

 

Erläuterungen:

 

Wie man sieht, habe ich die 13 Bretter in insgesamt 4 Dreiergruppen mit einem "Trennbrett" in der Mitte eingeteilt. Die Dreiergruppen erhielten jeweils ein Motto, das die Eröffnung im günstigsten Fall beherrschen oder wenigstens mitbestimmen sollte. Solche Eselsbrücken scheinen auf den ersten Blick vielleicht unnötig, aber tatsächlich sind sie eine große Hilfe, denn es kommt inbesondere zu Beginn relativ häufig vor, dass man für einen Moment nicht weiß, was gerade auf dem Brett gespielt wird - mit Hilfe der Brettnummer und des Mottos kann man meist den Eröffnungsverlauf und damit dann auch die aktuelle Partiestellung leichter und schneller rekonstruieren.
Die bei der Wertungszahl mit * gekennzeichneten Spieler sind teilweise schon länger inaktiv und wurden von den Veranstaltern daher mit ca. 1500 veranschlagt.


Die Mottos:

 

1) Linksspringer: Im Prinzip bedeutete das, dass ich 2.Sc3 auf so ziemlich alles gespielt hätte. Da dieser Zug jedoch nicht unbedingt überall (gut) hineinpasst, habe ich meine Gegner so gesetzt, dass er es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit tun würde. Nach 1.c4 kann man sowieso immer 2.Sc3 spielen, nach 1.d4 normalerweise auch und von Brigati wusste ich, dass er Sizilianisch bevorzugt, also war die Tiviakov-Variante (2.Sc3 Sc6 3.Lb5) hier eine brauchbare Wahl.

2) d-Bauer links/Mitte/rechts: Am liebsten ist es mir, einen "Mottoblock" so zu strukturieren, dass der Mottozug an den Brettern 1 und 3 und an Brett 2 dann der Zug "rechts daneben" (in diesem Fall 1.e4) gespielt wird. Bei dem Motto "Linksspringer" ist das nur bedingt möglich, denn 1.Sc3 ist mir als Eröffnungszug nicht druckvoll genug. Beim d-Bauer dagegen ist das wunderbar machbar. Zur besseren Unterscheidung habe ich den Block dann noch weiter unterteilt in "links", "Mitte" und "rechts". Links (gegen Marmier) bedeutete, dass ich wenn irgendwie möglich 2.c4 nebst 3.Sc3 spielen würde, während rechts (gegen Kummle) auf 2.c4 nebst 3.Sf3 abzielte. Die Mitte war für Dr. Wirths Skandinavier reserviert.
3) Königsbrett: Zugegebenermaßen ein etwas gekünstelter Begriff. Idee war, dass 7 genau die Mitte von 13 und das Brett in dieser goldenen Mitte dann quasi das "Königsbrett" ist. Da von Herrn Trümpler Königsindisch zu erwarten war (und auch kam) und ich ihn im Vorfeld als den gefährlichsten Spieler eingeschätzt hatte (was leider auch stimmte), schien er mir auf diesem Brett am besten aufgehoben.
4) Gordischer Knoten: Ein eher optisches Motto; eigentlich hätte es "e-Bauer" oder so heißen sollen, aber hier setzte ich die Spieler so, dass an 1 und 3 des Blocks zu 99% mit Sizilianisch zu rechnen war, während für Brett 2 1.d4 d5 am wahrscheinlichsten erschien. Wenn man sich nun 1.e4 c5 nun so optisch vorstellt, mit den 2 Bauern, zwischen denen ein Faden gespannt ist und dann kommt 1.d4 d5 quasi als Schere genau in der Mitte (der Bauern und am Brett 2 auch des Blocks), dann könnte man sich dazu Alexander beim Durchschneiden des Gordischen Knotens vorstellen. Naja. Könnte man theoretisch. Dachte halt, es merkt sich besser so...
5) Rechtsspringer links/Mitte/rechts: Analog zum d-Bauer Motto. Geplant war an Brett 1 mit 1.Sf3 nebst 2.d4 oder c4 ("links") zu eröffnen, an Brett 2 mit 1.e4 ("Mitte") nebst 2.Sf3 und an Brett 3 mit 1.Sf3 und 2.g3 ("rechts")

 

Die Partien
Den Teil mit den reinen Schachpartien zum Download findet Ihr weiter unten; an dieser Stelle möchte ich meine Gegner der Reihe nach vorstellen und ein bisschen was zu den Partien erzählen; beispielsweise, was mir während des Wettkampfes hierzu so durch den Kopf ging oder von kritischen Stellungen, Einstellern, Fehlern usw.

Brett 1: Hans Altherr
Herr Altherr ist ein in der Schweiz sehr bekannter Politiker und war 2011/12 Präsident des Ständerats. Der Ständerat ist die kleine Kammer des Parlaments der Schweizerischen Eidgenossenschaft und ich finde, das habe ich jetzt so lange aus der Wikipedia abgeschrieben, dass es mir bereits peinlich ist. Vergebt mir meine Unkenntnis der schweizerischen Politik, aber ich weiß wirklich nicht so genau, welche Funktion Herr Altherr nun innehat(te), aber seid versichert, sie war/ist ganz weit oben :-). Im Übrigen macht Herr Altherr einen überaus sympathsichen Eindruck und spielt darüber hinaus auch sehr gut Schach. Er wählte die verwünschte Königsindische Verteidigung (was ich ihm dann allerdings leider bei den Sympathiepunkten wieder abziehen muss) und reagierte auf meine verzögerte Abtauschvariante (1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.e4 d6 4.d4 Lg7 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.dxe5!?) mit 8...Sxe5, was Weiß einen leichten Vorteil bescherte, der allerdings nie besonders groß war. Etwa um Zug 15 herum entschloss ich mich, meinen Stellungsvorteil noch ein paar Züge lang einfach am Kochen zu halten und dann die Partie quasi aus der Position der Stärke heraus mit einem Remisangebot zu beenden, was Altherr angesichts seiner gedrückten Positon auch gerne akzeptierte.

 

 


Brett 2: Niklaus Kubli
Herr Kubli war für mich schachlich eine ebensolche Unbekannte wie auch schon Herr Altherr - es gab weder Partien noch sonstige Hinweise, was mich schachlich erwarten würde. Dennoch erwies sich 1.d4 nebst 2.Sc3 als echter Glücksgriff, denn Herr Kubli griff nach 1.d4 Sf6 2.Sc3 e6 3.e4 Lb4?! bereits fehl, denn nach 4.e5! Sd5 5.Dg4! erreicht Weiß eine bekanntermaßen günstige Konstellation. Trotzdem hätte ich beinahe nicht so gespielt, da sich der c-Bauer vom Nebenbrett plötzlich in die Partie "hineingemogelt" hatte:

 

 

Schwarz kann wegen 6.Dxg7 Tf8 7.a3 La5 8.Ld2 mit Rückgewinn der Figur nicht auf c3 nehmen, aber es dauerte 1-2 Minuten, bis ich das auch tatsächlich begriffen hatte. Ich hatte nämlich aus Versehen den schwarzen c-Bauern, der am 3. Brett bereits im 1. Zug nach c5 ging, an Brett 2 ebenfalls nach c5 gestellt - und dann geht z.B. nach 8.Ld2 einfach Sd5, da die Dame von d8 aus den Läufer a5 deckt. Ich war für einige Momente völlig verwirrt, weil ich einfach nicht glauben konnte, dass 5.Dg4 unmöglich sein würde, bis ich endlich meinen Fehler bemerkte.

In der Folge gab Herr Kubli auf f8 die Qualität, wohl in der Hoffnung auf Gegenspiel auf den schwarzen Feldern, die sich jedoch nicht erfüllte. Er überschritt im 20. Zug in klar schlechterer Stellung die Zeit.



Brett 3: Georges Brigati
Herr Brigati ist Geschäftsführer eines großen schweizerischen IT-Konzerns und mit einer NWZ von 1782 einer der stärkeren Spieler im Feld. Über ihn hatte ich nur wenige Informationen hinsichtlich einer Vorliebe für Sizilianisch im Allgemeinen und die Pelikan-Variante (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5 5.Sb5 a6 6.Sd6+ Lxd6 7.Dxd6 De7) im Besonderen. Das war verlockend, denn ich bin mir sicher, dass Weiß hier irgendwo einen Vorteil herausquetschen kann, aber nach langem Überlegen entschloss ich mich im Vorfeld, lieber auf etwas abseitiges Terrain auszuweichen und mit 1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.Lb5 den so genannten "Tiviakov-Sizilianer" zu spielen. Brigati erwiderte darauf mit einem interessanten Aufbau mit Db6 und Abtausch des c6/c5-Doppelbauern, was jedoch eine Menge Zeit kostete.
Da ich dieses System mit Weiß sonst nie spiele, verstand ich lange Zeit nicht so richtig, was genau los war in der Stellung, aber mit dem schönen Zentrum musste eigentlich eher Weiß besser stehen. Als mein Gegner dann aber seinen weißfeldrigen Läufer ins Abseits manövrierte, wurde der weiße Vorteil offensichtlicher und nach einer voreiligen Rochade dann entscheidend, denn Weiß konnte daraufhin den schwarzen Randspringer einfangen.

 



Brett 4: Edouard Marmier
Die Partie mit Herrn Marmier wurde schon sehr früh zu einem wahren Wechselbad der Gefühle für mich. Nach den Eröffnungszügen 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5 konnte ich mir zunächst ein "Au, prima!" nicht verkneifen, denn ich spiele sehr gerne gegen die Tarrasch-Verteidigung. Doch als mein Gegner nach 4.cxd5 zu cxd4 griff, wurde das "prima" gedanklich durch ein an der Schimpfwörterachse gespiegeltes Wort ersetzt, denn dieses so genannte "Schara-Henning-Gambit" war in den Händen eines gut vorbereiteten Gegners eine sehr scharfe Waffe, die ich weder auf dem Schirm noch bisher sonderlich oft auf dem Brett hatte. Einmal bei einer Blindsimultanveranstaltung 2011 in Feuerbach (ich verlor..) und einmal in einer Blitzpartie im Jahr darauf, aber sonst...Fehlanzeige. Das Einzige, woran ich mich noch einigermaßen erinnerte war ein Ausriss aus einem alten Schachbuch von Suetin oder Koblenz, der eine Partie von Polugajewski vorführte:

Zu dieser Stellung kam es auch in der Partie mit Marmier. Polugajewski spielte hier 13.Sd4 und ich erinnerte mich dunkel an den Kommentar des Autors, dass auch 13.b4 möglich und gut gewesen sei. So richtig vollständig erschloss sich mir der Zug zwar nicht, aber da er aggressiver war und ich meinen Gegner (der bisher fast à tempo gespielt hatte) auch endlich mal zum Nachdenken bekommen wollte, entschied ich mich für ihn. Nach dem überraschenden 13...g4?! (13...Lxb4 14.Sb5 soll für Weiß etwas Vorteil geben) 14.bxc5?! (14.Sd4 ist stärker, eine Idee davon ist das lässige 14...Lxb4 15.Tb1! Lxc3 16.Db3 Db4 17.Sxc6 Dxb3 18.Sxa7+) gxf3 15.De2? hätte Le6! mit der Idee Lc4 Schwarz in Vorteil gebracht. Statt dessen wandelte Marmier auf den Spuren Tals und verschmähte ein fast sicheres Remis zu Gunsten eines spektakulären Damen- und Turmopfers, das leider nicht durchschlug und am Ende der Materialzählmeister das letzte Wort hatte.

 


Brett 5: William Wirth
Wenn man über das schweizerische Schach der vergangenen Jahrzehnte spricht, fällt früher oder später auf alle Fälle der Name Dr. William Wirth. Der langjährige Generadirektor der Credit Suisse ist bekannt als großartiger Initiator und Organisator hochkarätiger Turniere in unserem Nachbarland und es war mir eine Ehre, einmal gegen ihn spielen zu dürfen. Dennoch musste ich seinen geliebten Skandinavier mit Dxd5 leider besonders energisch und mit einer sehr giftigen Variante angehen - das von mir gewählte 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 4.d4 c6 5.Sf3 Sf6 6.Se5!? sieht auf den ersten Blick etwas seltsam aus, ist aber recht gefährlich, wenn Schwarz falsch reagiert. Wirth spielte auf Sicherheit und wählte das passive 6...e6, übersah jedoch in der Folge einen Einschlag auf f7, der ihn einen Turm kostete. Ganz Teamplayer spielte er die verlorene Stellung noch eine ganze Weile weiter, um so noch seinen Mitstreitern zu helfen, indem er ihnen auf meine Kosten Zeit verschaffte.

 


Brett 6: Thomas Kummle
Thomas Kummle war mit einer DWZ von 2033 der nominell stärkste Spieler im Feld. Der Richter aus Waldshut spielt Ersatz in der Oberliga Baden und war im Vorfeld schwer auszurechnen. Ich hatte nur ganz wenige Partien von ihm und daher auch nur eine ganz vage Vorstellung seiner Spielweise. Für die Eröffnung hatte ich mir ein giftiges Gambit im Dameninder zurechtgelegt, das nach den Zügen 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.Dc2 Lb7 6.Lg2 c5 7.d5!? aufs Brett kommt und mit dem ich das Überraschungsmoment auf meiner Seite wähnte. Leider jedoch war mein Gegner kleverer und überraschte statt dessen mich - im 3. Zug. Seine Eröffnung 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 a6!? hatte ich noch nie gesehen und ich wüsste ehrlich gesagt nicht einmal, wie sie heißt (Kummle-Indisch?).
Zu Hause angekommen habe ich bei einem Blick in die Datenbank festgestellt, dass diese Eröffung sogar schon von einigen Großmeistern wie Dzindzishashvili (Wahrscheinlichkeit, dass ich den Namen richtig geschrieben habe: 0%) oder sogar Tal gespielt wurde. Die Hauptvariante habe ich knapp verfehlt, aber eigentlich war ich mit meiner Stellung einigermaßen zufrieden. Im 14. Zug ließ ich eine vielversprechende Fortsetzung aus, weil ich sie schlichtweg übersah, aber laut Computer wäre das gar nicht so klar gewesen. Am Ende bot ich in ungefähr ausgeglichener Stellung Remis an, das akzeptiert wurde.

 


Brett 7: Andreas Trümpler

Das siebte Brett hatte ich in der Vorbereitung das "Königsbrett" genannt; zum einen, weil ich dort Königsindisch erwartete, zum anderen, weil dort mit Andreas Trümpler der Spieler saß, den ich für potenziell am gefährlichsten hielt. Leider sollte ich mit beiden Vermutungen recht behalten...Königsindisch ist und bleibt einfach meine persönliche Crux im Blindsimultan; hier muss ich unbedingt noch etwas finden bis zum nächsten Event.
Die Partie verlief zunächst im normalen Fahrwasser, ehe ich mit 10.Sd2?! (statt 10.Se1) allmählich abdriftete. In der Struktur, die wir auf dem Brett hatten, gehört der weiße Springer auf d3, von wo aus er f4 deckt und c4-c5 vorbereitet.  Einige Züge später erlag ich dann einer typischen Blindsimultan-Illusion:

In der festen Überzeugung, dass in der Diagrammstellung noch gar nichts los sei, spielte ich hier 18.De3? mit der Idee, auf Sf4+ mit 19.Kf1(??) eine Figur zu gewinnen. Als Trümpler "dennoch" das Schach auf f4 gab, bemerkte ich meinen Fehler, doch für eine Korrektur war es bereits zu spät. Weiß ist verloren, und nach 19.Kh2? Dh5+ 20.Kg1 Lh6! 21.De1 Dh3! 22.gxf4 Lxf4 23.Lg3 Lxg3 24.De2 Lf4 25.Tad1 hätte Le3+! mit der Idee 26.Dxe3 Dg3+ 27.Kh1 Tf4 die Partie sofort beendet. Allerdings hatte ich nach 25...Sc5 26.Tf2 Tf6 27.Sf1 Taf8 keine Lust mehr - Weiß kann praktisch nichts mehr ziehen; auf beispielsweise 28.b4 folgt Sb3 und das Pferd hüpft mit fatalen Folgen auf d4.

 


Brett 8: Martin Geyer
Der viertstärkste Spieler im Feld und eine weitere große Unbekannte. Außer ein paar Sizilianisch-Partien hatte ich nicht viel gefunden, also versuchte ich gegen ihn mein Heil im Morra-Gambit. Ein etwas dubioses Gambit, zugegeben, über das Nigel Short einmal gesagt hat, dass es sinnvoller ist, an den Weihnachtsmann zu glauben, als daran, dass das Morra-Gambit korrekt sei...
Herr Geyer scheint jedenfalls anderer Meinung zu sein, denn er lehnte den offerierten Bauern mit 3...d5 ab. Leider geriet er auf diese Weise in eine Stellung mit weißem d-Isolani, die ich erst kürzlich ausgiebig mit einem meiner Schüler analysiert hatte und in der Weiß unangenehmen Druck ausübt.

Diese Stellung sieht unschuldig aus, ist aber schon sehr kritisch für Schwarz, da Weiß großen Entwicklungsvorsprung hat und der Lc8 immer noch unentwickelt ist. Zudem steht der Te8 etwas seltsam, denn f7 ist ungeschützt. Nach 13.Lf4 (Weiß wartet auf b7-b5) b5?! 14.d5! exd5 15.Sxd5 Ta7? hätte der Houdini-Zug 16.Sg5! Sxd5 17.Sxf7!! die Partie sofort beendet, aber das sehe ich wenn überhaupt dann nur sehend und mit 24 Stunden Bedenkzeit. Ich rechnete eine ganze Weile an 16.Sc7? Txc7 18.Dxd8 Lxd8 19.Txe8+ Sxe8 20.Tc1 Ld7 21.Ld5 herum, bemerkte aber gerade noch rechtzeitig, dass der Lc7 ja vom Se8 gedeckt wird und Weiß somit nach Wegzu des Sc6 keine Figur gewinnt. Immerhin war mein Zug dann doch noch des Rechners zweite Wahl: 16.Tc1 Sa5? nur mit 16...Td7 konnte Schwarz noch in der Partie bleiben 17.Lc7 gewann Weiß die Qualität und tauschte sie in der Folge auf Sicherheit nach Hause. Allerdings gab es nach 16...Sa5 einen ganz einfachen Gewinn, der mir komplett verborgen blieb, nämlich 17.Sxe7+ Taxe7 18.Dxd8 mit Gewinn eines glatten Turms.

 


Brett 9: Peter Pfiffner
Der Fernschach-IM Peter Pfiffner stellte sich im Laufe meiner Vorbereitung als starker Theoretiker heraus, der gegen d4 bevorzugt zu slawischen Systemen greift und diese dann ausgezeichnet behandelt. Darauf konnte und wollte ich mich nicht wirklich einlassen und entschied mich stattdessen für die slawische Abtauschvariante, von der ich mir erhoffte, an geeigneter Stelle ein Remis aus der Position der Stärke heraus anzustreben. Leider schien Herr Pfiffner den Braten zu riechen und wechselte von den Slawen ins Nachbarland der Magyaren - Budapester Gambit hieß die Devise der Partie. Keine Eröffnung, die ich für sonderlich stark halte, aber wenn man es gut kennt (und der Gegner nicht), dann ist das immer für eine Überraschung gut. Und genau so war es auch in unserer Partie, denn ich wurde nach allen Regeln der Kunst überspielt und Pfiffner ließ erst nach, als es galt, den Sack vollends zuzumachen:

Mit einer Serie von Kraftzügen wird Weiß nun ausgehebelt: 19...a3! 20.b3 Df6! 21.Sd5 Lxd5! 22.cxd5 Db2! 23.Dxb2 axb2 24.a4 Sc2! 25.Te1 und nun hätte 25...Sxe3! 26.fxe3 Txe3 nach 27.b4 La7 28.Lf2 Txe2 29.Lxa7 Txa7 30.Tfe1 Txe1+ 31.Txe1 Kf8 32.Tb1 Txa4 33.Txb2 ein für Weiß verlorenes Endspiel ergeben. Stattdessen schlug Pfiffner mit der falschen Figur: 25...Lxe3? 26.fxe3 Sxe3 und hier glaubte ich einige Minuten lang, immer noch auf Verlust zu stehen, weil ich meinen h-Bauern fälschlicherweise auf h3 stellte. Dann nämlich wäre auf die Partiefortsetzung 27.Tb1 Sxf1 28.Kxf1 der Zug Te3 mit Angriff auf den Läufer und den Bauern b3 möglich gewesen (obwohl auch das laut Houdini OK für Weiß wäre). So aber fällt der Bauer b2 und Weiß verbleibt mit 2 Läufern gegen den Turm. Nach dem weiteren Te4 29.Txb2 Tb4 30.Lb5 Td4 31.Lc4 Te8 32.Te2 bot ich aber dennoch Remis an - klar, Weiß steht hier mit 2 Läufern gegen Turm und Bauern klar besser, vielleicht auf Gewinn, aber ich war einfach froh, dem Sensenmann noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein :-).

 


Brett 10: Harry Siegfried
Herr Siegfried war mein zweiter auserkorener Morra-Gambit-Kandidat und im Gegensatz zu Herrn Geyer vertraute er offenbar mehr auf Nigel Shorts Bonmot, denn er nahm die Herausforderung und den Bauern c3 dankend an. Es entbrannte eine für dieses Gambit typische Schlacht im Zentrum, bei der Schwarz eine etwas passive Aufstellung wählte, die ich jedoch nicht stark genug auszunutzen verstand. Statt dessen wählte ich ein bekanntes Pseudo-Springeropfer auf d5, das mir zumindest den geopferten Bauern wieder zurückbrachte. Nach einem weiteren Fehler des Nachziehenden hätte ich auf d6 einen zweiten Bauern gewonnen, doch ehe es dazu kam, überschritt Schwarz leider die Bedenkzeit.

 


Brett 11: Peter Nagler
Herr Nagler war erst am Spieltag kurzfristig ins Feld gerutscht, weil Herr Phillipp Nett leider kurzfristig erkrankt war (gute Besserung nochmals an dieser Stelle!). Entsprechend hatte ich über ihn überhaupt keine Daten oder Vorbereitung außer ein paar Worten von Christian Issler, denen zufolge Nagler eine Vorliebe für...Königsindisch hätte. Na prima, noch so ein schrecklicher Königsinder, ist da vielleicht irgendwo ein Nest :-)? Leider hatte ich keine echte Möglichkeit zum Ausweichen, denn das Motto an diesem Brett (1.Sf3 nebst d4 oder c4) wollte ich so kurz vor dem Beginn auch nicht mehr ändern.
Immerhin verlief die Partie nicht wie eine typische Blindsimultan-Königsindisch-Partie von mir, d.h. ich wurde ausnahmsweise mal nicht am Königsflügel zusammengeschoben. Statt dessen konnte ich zunächst am Damenflügel einen Bauern erobern und mit dem Turm einbrechen, aber beim Übergang ins Endspiel schlug ich etwas überhastet einen zweiten Bauern und brachte meinen Gegner so wieder ins Spiel. Die Partie war die letzte, die noch lief und vermutlich waren beide Spieler schon sehr erschöpft, denn gegen Ende unterliefen uns beiden ein paar dicke Fehler, ehe Herr Nagler dann seinen Turm für meinen Springer opferte und gleichzeitig aufgab, was ich nicht so ganz verstand. Möglicherweise hat hier Zeitnot eine gewichtige Rolle gespielt.

 


Brett 12: Markus Egli
Die mit Abstand verrückteste und m.E. auch spannendste Partie des Nachmittags spielte ich mit Herrn Markus Egli. Er hatte sich für einen Franzosen entschieden, diesen jedoch nach nur 7 Zügen bereits schon fast spielentscheidend gegen die Wand gefahren. Aber als es bereits so aussah, als wäre die Partie schnell entschieden, schüttelte Herr Egli seine Zockerqualitäten aus dem Ärmel und brachte mich noch einmal tüchtig ins Schwitzen:

Nach 9.Sxh7 hielt ich die Partie für mehr oder weniger beendet, doch hätte ich gewusst, was da noch für Abenteuer auf mich zukommen, hätte ich das sicherere 9.Dh5 gewählt, wonach Schwarz definitiv KO ist. Nun aber ist es urplötzlich nicht mehr so klar....Lxd4! In solchen Stellungen fangen Rocky Balboa und Markus Egli überhaupt erst an, warm zu werden :-). 10.Lxg6 Ich wähnte mich noch immer auf der komfortablen Siegerstraße. Auf 10...Lxf2+ spiele ich einfach 11.Ke2? und der Tf8 hat kein einziges Feld auf der f-Linie, um den Läufer gedeckt zu halten. Das stimmt soweit auch, jedoch...11...e5! hatte ich völlig übersehen. Das ist jetzt eine Stellung, wie man sie im Blindsimultan nicht haben möchte. Reich an Taktik und man muss einzige Züge finden, um in der Partie zu bleiben. Ein schreckliches Gefühl, ehrlich. 12.Sd2! Einziger Zug, um die Drohung Lg4+ abzuwehren. Weiß steht immer noch auf Gewinn, aber wer garantiert einem das während der Partie? Lg4+ 13.Sf3 Lg3 14.Sxf8 Kxf8 Weiß hat einen ganzen Turm mehr, aber im Blindsimultan neigt man gerne dazu, gegnerische Drohungen als besonders gefährlich einzustufen - ganz wie jemand, der im Dunkeln herumtapst, jedes Geräuch instinktiv als potenzielle Gefahr fürchtet. Houdini dagegen bleibt völlig cool und hält fast jeden weißen Zug für gut. 15.Le4 Nicht, dass der e-Bauer noch auf die Idee kommt, sich in Bewegung zu setzen c6 16.c4 d4? Das fühlt sich falsch an, denn die Blockade hilft Weiß, seine Figuren zu sortieren. Man hätte Db6 oder Sd7-f6 versuchen können. 17.Lg5 Db6 18.Dd3?! Besser wäre Db3 gewesen. Meine Idee war, auf Dxb2+ 19.Ld2 zu spielen, wonach Schwarz seine letzte Reserve, den Sb8 nicht ins Spiel bringen kann, denn 19...Sd7 scheitert an 20.Thb1 Da3 21.Lb4+. Sd7! 19.b4 c5? Der letzte Fehler. Nach 19...Dxb4! 20.Tab1 Dd6 mit der Idee Sc5 wäre die Sache noch nicht endgültig geklärt gewesen. Jetzt kann sich Weiß endgültig konsolidieren. 20.b5 Sf6 21.Thf1 Sh5 22.Kd1 Lf4 23.Kc2 Lxg5 24.Sxg5+ 1:0

 


Brett 13: André Berset
An Brett 13 schließlich durfte ich gegen André Berset mit 1.Sf3 nebst g3 meine Fähigkeiten als Flanken(spiel)gott versuchen - nicht selten ist es in der Vergangenheit dabei schon beim Versuch geblieben. Im Grunde finde ich alle ersten Züge außer 1.d4 und 1.e4 schrecklich, aber ab einer bestimmten Bretterzahl muss man einfach variieren, um nicht Gefahr zu laufen, die Bretter durcheinander zu bringen. Man stelle sich ein Blindsimultan mit 6 Königsindern und 6 Sizilianern vor, bei dem an den Brettern jeweils nur minimale Abweichungen sind - mal ein Randbauernzug hier, mal eine verzögerte Rochade dort - der Blindsimultanspieler wäre chancenlos. Daher streue ich pro Blindsimultan immer etwa 25% Randzoneneröffnungen ein. Weiter als bis c4 bzw. Sf3 gehe ich jedoch nicht (mehr) - meine Erfahrungen beispielsweise mit 1.f4 sind katastrophal; da habe ich schon nach dem ersten Zug das Gefühl, auf Verlust zu stehen.
Gegen Berset verlief die Partie zunächst ruhig im Fahrwasser einer Réti-Eröffnung mit weißem Doppelfianchetto gegen den schwarzen Bauernblock c6-d5-e6. Ich spulte halt meine Schablone herunter - Sbd2, Dc2, e4, als Herr Berset plötzlich selbst zu e6-e5 griff und die Stellung öffnete. Mit dem noch auf c8 schlummernden Läufer und der dadurch fehlenden Turmverbindung war Schwarz jedoch im Gegensatz zu Weiß noch nicht bereit dafür, so dass das Manöver einen Bauern gekostet hätte, doch Berset entschied sich für die Hergabe einer Qualität. Leider geriet Schwarz dadurch in eine tödliche Fesselung, die weiteres Material kostete.

 
Der Endstand war somit 10,5:2,5 (+9 =3 -1) und der neue Weltrekord damit nach etwa 4 Stunden Spielzeit geknackt. Mit einem Aperitif und einem sehr leckeren Buffet vom wirklich sehr zuvorkommenden Gastro-Team des Zunfthauses klang der Abend dann sehr schön aus und Spieler und Blindsimulant hatten noch Gelegenheit, über die Partien und den Verlauf des Events zu sprechen. Ich habe die Veranstaltung wirklich sehr genossen und möchte mich bei allen Beteiligten noch einmal sehr herzlich für die Einladung bedanken sowie bei Axel Fritz für die hervorragende technische Betreuung.

 

Bilder des Events: (Anklicken zum Vergrößern)

Die Wettkampfst...
Die Wettkampfstätte im Zunfthaus zur Saffran Die Wettkampfstätte im Zunfthaus zur Saffran
Der Turniersaal...
Der Turniersaal am während der Aufbauarbeiten Der Turniersaal am während der Aufbauarbeiten
Der Präsident d...
Der Präsident der SG Zürich Christian Issler Der Präsident der SG Zürich Christian Issler
Ein Blick auf d...
Ein Blick auf die vorderen Bretter unmittelbar vor dem Start Ein Blick auf die vorderen Bretter unmittelbar vor dem Start
Letzte Anweisun...
Letzte Anweisungen vor dem Beginn Letzte Anweisungen vor dem Beginn
Der Wettkampf b...
Der Wettkampf beginnt Der Wettkampf beginnt
Brett 1: Der Po...
Brett 1: Der Politiker Hans Altherr erzielte ein Remis Brett 1: Der Politiker Hans Altherr erzielte ein Remis
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Brett 2: Niklaus Kubli Brett 2: Niklaus Kubli
Brett 3: George...
Brett 3: Georges Brigati Brett 3: Georges Brigati
Brett 4: Edouar...
Brett 4: Edouard Marmier Brett 4: Edouard Marmier
Brett 5: Dr. Wi...
Brett 5: Dr. William Wirth Brett 5: Dr. William Wirth
Brett 6: Thomas...
Brett 6: Thomas Kummler remisierte Brett 6: Thomas Kummler remisierte
Brett 7: Andrea...
Brett 7: Andreas Trümpler Brett 7: Andreas Trümpler
Brett 8: Martin...
Brett 8: Martin Geyer Brett 8: Martin Geyer
Brettbetreuer F...
Brettbetreuer Freddy Bernegger Brettbetreuer Freddy Bernegger
Brett 9: Der Fe...
Brett 9: Der Fernschach-IM Peter Pfiffner spielte Unentschieden Brett 9: Der Fernschach-IM Peter Pfiffner spielte Unentschieden
Brett 10: Harry...
Brett 10: Harry Siegfried Brett 10: Harry Siegfried
Brett 11: Peter...
Brett 11: Peter Nagler Brett 11: Peter Nagler
Brett 12: Marku...
Brett 12: Markus Egli spielte eine wilde Partie Brett 12: Markus Egli spielte eine wilde Partie
Brett 13: André...
Brett 13: André Berset Brett 13: André Berset
Der Technikchef...
Der Technikchef Axel Fritz Der Technikchef Axel Fritz
Der Brettbetreu...
Der Brettbetreuer Joachim Rosenthal Der Brettbetreuer Joachim Rosenthal
Die Bretter 1-6
Die Bretter 1-6 Die Bretter 1-6
Der Arbeitsplat...
Der Arbeitsplatz des Blindsimultanspielers Der Arbeitsplatz des Blindsimultanspielers
Ein Rechner für...
Ein Rechner für die Zugeingabe, der andere zeigte den Stand auf den Uhren an Ein Rechner für die Zugeingabe, der andere zeigte den Stand auf den Uhren an
Marc Lang auf d...
Marc Lang auf dem Weg zum Weltrekord Marc Lang auf dem Weg zum Weltrekord
Die nackten Res...
Die nackten Resultate Die nackten Resultate
Post mortem Ana...
Post mortem Analysen Post mortem Analysen
Die Spannung lö...
Die Spannung löst sich Die Spannung löst sich
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Von allen blinden und sehenden Geistern verlassen: Schachbretter Von allen blinden und sehenden Geistern verlassen: Schachbretter
Der Saal war wi...
Der Saal war wirklich wunderschön Der Saal war wirklich wunderschön
DGT-Guru Axel F...
DGT-Guru Axel Fritz DGT-Guru Axel Fritz
Die Wand mit de...
Die Wand mit den Wappen der Zunftmitglieder Die Wand mit den Wappen der Zunftmitglieder
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Familie Lang mi...
Familie Lang mit Marie, Sebi, Dino und Bär Familie Lang mit Marie, Sebi, Dino und Bär
Marc Lang mit E...
Marc Lang mit Ehefrau Anne Marc Lang mit Ehefrau Anne
Zürich bei Nach...
Zürich bei Nacht, von einer Limmatbrücke aus gesehen Zürich bei Nacht, von einer Limmatbrücke aus gesehen

 

Hier schon einmal alle Partien im PGN-Viewer (Kommentare folgen dann morgen, für heute habe ich genug geschrieben):

 

Weltrekordversuch im Blindsimultan-Schnellschach::Jetzt live

Live-Übertragung direkt aus dem Zunfthaus zur Saffran in Zürich. Beginn: 3.11.2013, 14 Uhr

Weltrekordversuch im Blindsimultan-Schnellschach am Sonntag ab 14 Uhr live

Zunächst einmal wünsche ich Euch allen einen guten Morgen. Jaja, ich weiß schon, es ist bereits halb 11 und somit streng genommen höchstens noch ein ehemaliger Morgen, aber das hängt m.E. entscheidend davon ab, welche Geräte man benutzt, um die Tageszeit zu messen. Ich persönlich verwende hierfür in der Regel den Kaffeezähler. Und der steht gerade mal auf "zwei", d.h. eigentlich müsste es draußen noch dunkel sein. In meinem Verstand ist es das jedenfalls, denn gestern Nacht wurde es spät. Sehr spät. Bei einem letzten Test der Übertragungssoftware für Sonntag musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass einer der verwendeten Beamer eine Maximalauflösung von äußerst großmutteraugenfreundlichen 800x600 Pixeln hat, was wiederum den darzustellenden Bildschirm so grotesk aufbläht, dass bestenfalls die Mitte noch sichtbar ist und der Rest im Nirwana jenseits zweier langer, hässlicher Scrollbalken verschwindet. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass solche Probleme grundsätzlich dann auftauchen, wenn man "nur noch kurz" etwas checken und dann sofort ins Bett gehen will. Und es ist ebenso ungeschrieben wie unumstößlich, dass man aus dem "nur noch kurz" frühestens nach 2 Stunden wieder herauskommt.

Wie auch immer, jedenfalls habe ich das Problem jetzt, wie man auf Neudeutsch sagt, doch noch gefixt, indem ich die Seite in mühseliger Kleinarbeit bis an die Schmerzgrenze geschrumpft habe. Arbeiten kann man mit so einer Auflösung jedenfalls nicht mehr, es sei denn, man ist Scrollbalkenfetischist oder benötigt eine ansonsten nur noch für die Planetensuche in entfernten Galaxien verwendbare Brille.

 

Ein paar Fakten zum Rekordversuch am Sonntag: Es beginnt um 14 Uhr im "Zunfthaus zur Saffran", Limmatquai 54, 8001 Zürich (Anfahrt) und wird ein Blindsimultan-Schnellschach gegen 13 Opponenten sein, was den bisherigen Rekord, aufgestellt im Januar 2013 in Sontheim, im besten Bubka-Stil um genau ein Brett überbietet. Die Gegnerschaft ist für ein Blindsimultan-Schnellschach recht kräftig; der ELO-Schnitt meiner Kontraheten liegt bei etwa 1740. Auflaufen werden:

Kummle Thomas 2033
Trümpler Andreas 2026
Pfiffner Peter 1991
Martin Geyer 1876
Altherr Hans 1862
Siegfried Harry 1852
Brigati Georges 1782
Egli Markus 1611
Nett Philipp 1549
Berset André 1520
Kubli Niklaus 1500 *
Marmier Edouard 1500 *
Wirth William 1500 *

* geschätzte Zahl

Das ist ein starkes Feld mit einer ganzen Reihe erfahrener Spieler; beispielsweise spielt Thomas Kummle in der Oberliga Baden (Ersatz) und Herr Peter Pfiffner ist ein erfahrener Fernschachspieler und -IM. Es wird schwer werden, mein selbst gestecktes Ziel von mindestens 8 Punkten zu erreichen bzw. überhaupt den Rekord zu schaffen, aber das ist ja auch der Sinn der Sache :-).

Wie schon gesagt gibt es hier auf Blindsimultan.de auch eine Live-Übertragung der Partien; ab Sonntag findet Ihr die Übertragungsseite hier:

Zur Live-Übertragung

Blindfold chess goes magic

Ein 24x24 Brett (zum Vergrößern anklicken)Derzeit laufen die Planungen für ein Blindsimultan der ganz besonderen Art, das voraussichtlich am 25. Januar 2014 in Berlin über die Bühne gehen und bei dem mir wohl endlich und endgültig das Hirn durchschmoren wird, wie mir ein Freund heute Morgen am Telefon nachdrücklich prophezeite. Es ist nach dem Schach-Mühle-Blindschnellschach in Günzburg und dem fantastischen Schach-Räuberschach-Tandem-Mühle-Blindmix in Marktleuthen im Sommer dieses Jahres der erste Versuch, Blindsimultan nicht nur mit anderen (Blind-)Spielen, sondern auch mit Gedächtnisakrobatik zu verknüpfen. Ich will auch noch nicht allzu viel darüber verraten, aber ein...äh...Kunststück(?) wird sein, während eines laufenden Blindsimultans (Schnellschach, an voraussichtlich 13 Brettern) blind eine Springerwanderung zu vollführen.
Von dem Problem haben die meisten Schachspieler schon einmal gehört: Es besteht darin, einen Springer von einem beliebigen Feld aus das komplette Brett so überqueren zu lassen, dass er jedes Feld genau einmal, also keines doppelt und keines gar nicht, berührt. So weit, so gut, aber das ist doch ehrlich gesagt kalter Kaffee. Viel spannender wäre es, kein normales 8x8, sondern ein schön geräumiges 24x24-Brett dafür zu verwenden. Und da sich Schachbretter auch ganz hervorragend als magische Quadrate eignen (und sowas Ähnliches glaube ich auch mal publikumswirksam auf einem 8x8-Brett bei "Das Superhirn" war), ist meine Idee nun Folgende:

  • Direkt vor Veranstaltungsbeginn nennen mir die Organisatoren 9 verschiedene Zahlen zwischen 260 (=Minimalsumme für ein magisches 8x8-Quadrat) und 1000 (theoretisch gehen auch größere Zahlen, aber dann fliegt mir wohl doch die Schädeldecke weg) und ein beliebiges Startfeld auf dem 24x24-Brett (z.B. i7).
  • Während des laufenden Blindsimultans muss ich dann von dem genannten Ausgangsfeld eine Springerwanderung entlang aller 576 Felder des Brettes machen, ohne dabei das Brett zu sehen.
  • Ich darf die Springerwanderung nicht "am Stück" machen, sondern immer nur maximal 16 Schritte nacheinander, danach muss ich unterbrechen und erst einmal wieder ein paar Züge an den Blindschachbrettern machen. Das aktuelle Standfeld des Springers muss ich mir natürlich merken.
  • Zu jedem Feld, auf dem der Springer landet, muss ich eine Zahl nennen. Diese wird auf dem Brett auf genau diesem Feld eingetragen. Am Ende der Springerreise wird das Brett in neun 8x8-Quadrate aufgeteilt: a1 bis h8, a9 bis h16, i1 bis p8 usw. bis q16 bis x24. Die Zahlen, die ich entlang der Springerreise für jedes Feld genannt habe, müssen nun für jedes der neun Teilquadrate ein Magisches Quadrat ergeben, dessen Summen horizontal, vertikal und diagonal die neun Zahlen zwischen 260 und 1000 ergeben, die mir vor Beginn genannt wurden.


Das alles wie gesagt während einer laufenden Blindsimultan-Veranstaltung...auch wenn es sich bescheuert anhört, ich freue mich da schon wie ein kleines Kind drauf. Aber es sind noch weitere Zaubertricks geplant, die ich jedoch noch nicht verraten möchte. Mehr dazu in Kürze.

Ach ja, wer einmal die Springerwanderung auf einem 24x24-Brett versuchen möchte, hier ist der Link zu meinem Trainingsring: http://schach-sontheim.de/springerproblem/springerproblem24.php

Weltrekordversuch im Blindsimultan-Schnellschach am 03.11. in Zürich

Alle Daten zum Event in der Übersicht

 

Der große Zunftsaal im Zunfthaus zur Saffran in ZürichNach einer längeren Pause, bedingt durch...äh...[bitte hier Begründung einfügen, falls mir eine einfällt. Hm. Bedingt durch eine längere Pause, vielleicht?]...bestreite ich am Sonntag, den 3.11.2013 endlich einmal wieder einen Wettkampf in meiner neuen Lieblingsdisziplin, dem Blindsimultan-Schnellschach. Auf Einladung der SG Zürich, werde ich versuchen, den im Januar aufgestellten Weltrekord im "Sergej-Bubka-Stil" um genau ein Brett auf deren 13 zu überbieten. Eine spannende Herausforderung, auf die ich mich sehr freue - auch wenn ich sie mit leicht gemischten Gefühlen angehe, denn seit Januar habe ich kein Blindsimultan-Schnellschach mehr gespielt und ich werde im Vorfeld auch kaum mehr Gelegenheit für ein sinnvolles Training haben. Darüber hinaus verspricht das gut besetzte Teilnehmerfeld, das man mir vorsetzen wird, eine große Herausforderung zu werden.

 

Kein Wunder, bei dieser Tradition - die Züricher Schachgesellschaft, die im Jahr 1809 und somit nur 14 Jahre nach dem Tod Philidors und ganze 25 Jahre vor dem legendären Wettkampf McDonnell - de La Bourdonnais gegründet wurde, kann auf eine über 200-jährige Geschichte zurückblicken und ist somit (vermutlich auch mit einigem Abstand) der älteste noch bestehende Schachverein der Welt. Ganz nebenbei ist die SGZ auch 24-maliger schweizer Mannschaftsmeister (ebenfalls Rekord) und Ausrichter zahlreicher hochkarätiger Großmeisterturniere, zuletzt erst im Februar 2013 die "Zürich Chess Challenge", die Fabiano Caruana vor Viswanathan Anand und Vladimir Kramnik gewann.

 

Der Wettkampf wird auf Wunsch des Veranstalters mit einer etwas längeren Bedenkzeit für die Simultanspieler stattfinden: Statt der üblichen 15 Minuten spielen wir mit 30min/Partie plus 5sek/Zug für die 13 Herausforderer und 4h/Partie + 30sek/Zug für den Blindspieler. Für mich entspricht das einem Zeitguthaben von durchschnittlich rund 18 Minuten pro Brett; nicht gerade viel für einen an mit fortschreitendem Alter zunehmend an mentalem Kriechschneckismus leidenden Spieler. Aber dafür kann ich mich dieses Mal auf die Unterstützung meiner Fans verlassen - meine Frau und meine beiden Kinder werden ebenfalls vor Ort sein und hoffentlich alle verfügbaren Daumen drücken. Meine Tochter Marie (4 Jahre) hat bereits angekündigt, im Notfall alle gegnerischen Spieler, die gegen mich gewinnen, im Hexenofen "braun wie Brot" zu backen.

Technisch ausgestattet und unterstützt werde ich bei diesem Event vom wohl bekanntesten deutschen DGT-Schachbrettdealer Axel Fritz, mit dessen Hilfe wir auch eine Live-Übertragung der Partien hier auf dieser Webpräsenz anbieten werden. Den Link zur Live-Seite werde ich in Kürze hier veröffentlichen.


Veranstaltungsinfo

Rekordversuch:

Weltrekordversuch im Blindsimultan-Schnellschach, d.h. Blindsimultan mit Zeitbeschränkung und Einsatz von Schachuhren. Der bisherige Rekord wird gehalten von Marc Lang und liegt bei 12 Partien gleichzeitig, aufgestellt am 26.01.2013 in Sontheim/Brenz

Modus:

Schnellschach mit einer Zeitbeschränkung von 30min/Partie + 5sek/Zug für die Herausforderer und 4h/Partie + 30sek/Zug (durchschnittlich ca. 18 Minuten pro Brett) für Marc Lang

Veranstaltungsdatum:

Sonntag, den 3. November 2013. Beginn: 14 Uhr

Veranstaltungsort:

Zunfthaus zur Saffran
Großer Zunftsaal
Limmatquai 54
CH-8001 Zürich

Anfahrt:


Größere Kartenansicht

Ausrichter:

Schachgesellschaft Zürich

Live-Übertragung:

Hier auf www.blindsimultan.de

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