Zunächst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich so lange schon nichts mehr geschrieben habe, aber es hat den Anschein, als habe mich nach dem Weltrekord "Najdorfs Rache" in Gestalt einer nicht enden wollenden Erkrankung ereilt - nur 2 Tage nach dem Rekordwochenende ging es los und dauert, mit kleinen Unterbrechungen, in denen die kleinen Bazillos wahrscheinlich frische Kräfte tankten und sich von den Antibiotika erholten, bis heute an. Die beliebtesten Symptome, die sch in regelmäßiger Folge einträchtig abwechselten, waren u.a. Bronchitis, Mittelohr- und Mandelentzündung, irgendwelche Lymphknotenschwellereien und schließlich sogar Lungenentzündung. Es scheint, als sei mein Gehirn (vielleicht mangels Masse) zwar gegen die vermeintlichen Folgen eines großen Blindsimultans immun, nicht aber der ganze Rest.
Aber wie auch immer, jedenfalls habe ich gestern erstmalig wieder eine "unsichtbare" Schachfigur angefasst und trat im Rahmen des 3-tägigen Jahreskongresses der Firma Astra Tech im malerischen "Western Hotel" in Lahnstein in einer Blind-Schaupartie gegen niemand geringeren als Großmeister Vlastimil Hort persönlich an. Der Modus war eine Art "uhrlose Schnellpartie"; wir spielten mit dem Rücken zu einer großen Leinwand, auf die das Brett mit der aktuellen Partie geworfen wurde und kommentierten für das größtenteils aus Schachlaien bestehende Publikum in möglichst humoriger und verständlicher Weise unsere Gedanken und Gefühle (in meinem Fall dem Verlauf entsprechend auch Ängste) zu der Partie.
Schon als ich mich bei der Farbauslosung in der Hand irrte und unbeabsichtigterweise die schwarzen Steine "gewann", hatte ich sein sehr mulmiges Gefühl - Vlastimil ist nach wie vor ein sehr starker Blindspieler und zudem rund 200 ELO-Punkte schwerer als ich. Dementsprechend stand ich auch bald mit dem Rücken zur Wand, als sich mein Springer im tschechischen Lager vergaloppierte. Doch zu meinem Glück ließ der Großmeister in Zeitnot mehr als einmal den Gewinn aus, so dass ich am Ende in ein Remisendspiel entwischen konnte:
Hier eine Übersicht der Videos vom Blindsimultan-Weltrekord mit bestem Dank an Frank Hoppe vom Deutschen Schachbund, der von Anfang bis Ende unermüdlich bloggte und filmte.
...ist leider nicht meine neue, zukünftige oder wenigstens gefühlte ELO-Zahl, sondern eher die Anzahl meiner seit dem Wochenende neu hinzugekommenen grauen Haare. Eine schöne bleibt es dennoch, denn so hoch war die Anzahl der Besucher dieser Webseite allein am vergangenen Samstag im Zuge der Live-Übertragung. Nimmt man noch den Sonntag hinzu, kommt man auf stolze 6.222 Interessenten. Aber was ich persönlich am Schönsten finde ist die Grafik der Zugriffe anhand der Weltkarte (s. Bild unten, zum Vergrößern anklicken): Schachanhänger aus 66(!) Nationen verfolgten das Event, davon die meisten (nach Deutschland natürlich) in den USA, unseren Nachbarstaaten und der EU, aber sogar auf den Cook Inseln, in der Mongolei, Algerien, Neuseeland und Hongkong interessierte man sich für ein paar Stunden für das, was in der Gemeindehalle Sontheim geschah. Wahnsinn, einfach Wahnsinn.
Sodele. Sorry für die Verzögerung, aber ich musste erst wieder so ganz allmählich ich selber werden :-). Nach der ersten Durchsicht der Partien finde ich das Niveau sehr, sagen wir: facettenreich. Es gibt ganz gute Partien, die ich auch sehend nicht viel besser hätte spielen können (z.B. die gegen Aldag, Missione oder Nolte) und es gibt sehr, sagen wir: uninspirierte Werke wie gegen Günter Ott oder Ünsal Göktas. Natürlich gab es einige grobe Fehler wie den Damen- und Turmeinsteller an Brett 4, die einfache Gabel gegen Heinz Mück oder der von beiden Seiten unbemerkte Dameneinsteller gegen Hanna Romes, aber insgesamt bin ich zumindest mit dem taktischen Gehalt zufrieden. Es ist halt auffällig, dass man als Blindsimulant nicht gerade besonders ideenreiches Schach spielt, aber das ist angesichts der Umstände auch kaum möglich.
Blind gegen den Großmeister
Zunächst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich so lange schon nichts mehr geschrieben habe, aber es hat den Anschein, als habe mich nach dem Weltrekord "Najdorfs Rache" in Gestalt